Simultan mit GM Vlastimil Hort (ELO 2494) am 18.07.2009 in Wesel (Nordheide)

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Stefan Röhrich

Gegen 11.15 Uhr habe ich mich von Westerkappeln auf den Weg nach Wesel in der Nordheide gemacht. Das Simultan mit GM Hort sollte um 15.00 Uhr beginnen und ich fühlte mich zeitlich somit gut gewappnet. Am Ende wurde es dann noch knapp und ich traf um 14.55 Uhr am Spielort ein. Ja, was hat denn solange gedauert mag sich der Eine fragen, und der Andere wird meinen, ich wäre wohl so ein Kriecher, der mit 80 über den rechten Fahrstreifen schleicht und die LKW ärgert. Nun, zuerst bin ich von der Autobahn runter auf einen Autohof um zu tanken. Dann reihte sich eine Baustelle an die Nächste und der Ferienverkehr tat sein übriges. …. Erst auf den letzten Kilometern ging es dann wieder schneller weiter, und das Navi zeigte mir eine Ankunftszeit von kurz vor 15.00 Uhr an. Das schaffte ich dann auch und parkte direkt vor der Heidehalle.

Am Eingang wurde ich direkt vom Organisator Herrn Borowi freundlich begrüßt. Als Startgeld waren 15,00 Euro fällig. Herr Hort war auch schon da, und plauderte locker mit den Teilnehmern. Ziemlich genau um 15.00 Uhr begrüßte Herr Hort die Teilnehmer offiziell. Herr Borowi gab noch eine kurze Anweisung, wie so ein Simultan abläuft. Dann begab sich GM Hort zunächst ans Analysebrett. Er zeigt einige Stellungen. Bei einer gab es ein forciertes Matt in 106 (!!) Zügen. Alle staunten, als der Großmeister dies vorführte.

Dann gab es auch Aufgaben an die Teilnehmer. Nachdem die Teilnehmer alle Aufgaben lösen konnten (ich hielt mich zurück), packte GM Hort noch etwas Spezielles aus. Er baute eine Stellung auf und meinte, wer dies in weniger als 20 Sekunden löst (Matt in 2), hätte das Zeug zur zweiten Schach-Bundesliga.


Das reizte mich und nach ca. 15 Sekunden meinte ich: 1. Dd6! Alle guckten mich an und einer meinte: Aber das stellt doch die Dame ein. Richtig, aber nur dieser Zug bringt auch ein Matt in zwei Zügen.

1.Dd6 c6 [1...b5 2.Da6#; 1...Te8 2.Dxd7#; 1...cxd6 2.Tc1#] 2.Db8#

Großmeister Hort meinte dann zu mir: Ich merke mir Sie für später! Ich dachte nur: Mist, jetzt hat er mich auf dem Kieker.

Dann starteten die Partien. Hort eilte nur so um die Runde, und machte seine Züge ohne zu Überlegen. Erst nach der vierten oder fünften Runde dachte er auch schon einmal ein paar Sekunden nach. Irgendwann weilte er an den meisten Brettern dann mehrere Sekunden. Auch an meinem Brett überlegte er des Öfteren 20 – 30 Sekunden. Einige Partien waren bereits nach 20 Zügen beendet. Es waren auch einige Jugendliche dabei, die trotz Minusturms fleißig weiterspielten. Irgendwann gab es dann eine zehnminütige Pause. Zu diesem Zeitpunkt waren vielleicht noch sechs oder sieben Bretter am Spielen. Alle beendeten Partien konnte der Großmeister gewinnen. Dann ging es weiter. Kurze Zeit später konnte ein Spieler direkt links neben mir ein Remis erreichen. Anschließend musste ein Jugendlicher rechts neben mir nach Hause und wollte aufgeben. Als Hort das mitkriegte, gab er dem Jugendlichen ein Remis (die Stellung war tatsächlich ausgeglichen).

Dann war meine Partie nach zähem Ringen auch Remis. Ich war froh und ein wenig Stolz, dem Großmeister ein Remis abgerungen zu haben. Nun spielte noch der Jugendlich mit dem Turm weniger und ein weiterer Jugendlicher. Der mit dem Turm wurde dann endlich mattgesetzt (Hort hatte vier oder fünf Damen mittlerweile). Die andere Partie war noch spannend. Hier kämpfte Hort ums Remis. Aber dann machte er einen Zug (auf den ersten Blick nicht als Fehler erkennbar), welcher dem Jugendlichen durch ein Qualitätsopfer ein forciert gewonnenes Endspiel einbrachte. Stark gespielt! Das war neben drei Remisen die einzige Niederlage des Großmeisters.

Vor dem Simultan hatte er für den ersten Sieg ein Schachbuch, welches er selbst geschrieben hatte, ausgelobt. Dies wurde dem Jugendlichen inkl. Autogramm überreicht und dieser freute sich wie ein Schneekönig. GM Hort hat sich dann noch bei allen Teilnehmern bedankt und eine gute Heimreise gewünscht. Der Organisator hat dann auch noch ein paar dankende Worte in die Runde geworfen und sich bei Herrn Hort bedankt.

Beim Verlassen des Saales konnte ich noch ein paar Worte mit dem Großmeister wechseln. Es war bereits meine siebte oder achte Partie gegen ihn und er konnte sich daran erinnern, dass wir schon mal gegeneinander gespielt hatten, u.a. nach dem „Schach der Großmeister“ beim WDR. Er bedauerte es sehr, dass Schach im deutschen Fernsehen nicht mehr stattfindet. Aber nach der Pensionierung von Dr. Claus Spahn gab es für Schach beim WDR keinen Mentor mehr.

Ich machte mich auf den Heimweg und dachte mir: Das war ein schöner Nachmittag / Abend!

Stefan Röhrich