Prolog

Der Entschluss, vor dem Match den berühmten Lüneburger Weihnachtsmarkt zu besuchen, erwies sich als tolle Team Building-Maßnahme: in den Gläsern ist natürlich Glühwein mit ohne Schuss!
Hauptteil: Zeitnotschlacht in Lüneburg!
Hellern 1 gewinnt nach 1-3 noch den Wettkampf mit 4,5-3,5

Strahlende Gesichter nach dem Wettkampf: gewonnen und verlustpunktfreier Tabellenführer!
Das Team des SV Hellern!
(untere Reihe v.l.: Wöllermann, J., Röhrich, Bade, Ernst; obere Reihe v.l.: Stock, Niendieker, Hart, Kovermann)

Lüneburg konnte den starken Stefan Blancke nicht einsetzen: das war die aus unserer Sicht erste positive Überraschung im einem Match, das im weiteren Verlauf zu einem echten Spitzenspiel werden sollte.

Stephan Niendieker (r.) sah sich im Sizilianer mit dem giftigen 2.c3 konfrontiert, hatte aber später keine Mühe, die Stellung gegen den erfahrenen FIDE-Meister Kalinin ausgeglichen zu halten. Im 25. Zug gewann unser Mann am 2. Brett sogar einen Bauern, gab die Partie aber wegen der positionellen Kompensation des Anziehenden Remis.

Das zweite Unentschieden folgte am 5. Brett. Ein spannendes Duell zweier Erfolgsgaranten: Hajo Bade hatte bis dato 2,5 P aus drei Partien vorzuweisen, das Lüneburger Talent Till Schreiner (l.) hatte bislang sogar alle Partien gewonnen. In einer niveauvollen Partie, die auch theoretisch sehr interessant war, ließen beide Spieler klitzekleine Chancen aus und so kam es noch vor der Zeitkontrolle zum Friedenschluss.
1-1: alles war noch offen. Aber nicht mehr lange, denn nach der dritten Wettkampfstunde zogen die Gastgeber das Tempo an.

Erstes Opfer wurde unser Rookie Jan Wöllermann, der es allerdings mit einem der stärksten Lüneburger zu tun bekam: Jürgen Krumböhmer (l.). Jan spielte eine gute, selbstbewusste Partie und versuchte mit einer Bauernattacke kurz vor der Zeitkontrolle seinen Gegner zu überrennen.
Der konterte listig und nach der Zeitkontrolle hatte er eine Figur mehr. Die Aufgabe von Jan ließ dann nicht mehr lange auf sich warten.
Richtig beängstigend wurde es für uns, als unser Spitzenspieler Jörg Stock am ersten Brett immer mehr unter Druck geriet.

Der Lüneburger Rehbein (l.) hatte eine mega-scharfe Variante aufs Brett gebracht, die nicht unbedingt zum Standard-Repertoire eines Weißspielers gehören muss. Jörg kämpfte mit großem zeitlichen Aufwand um die Initiative, gab dann aber vorentscheidend die Kontrolle über die e-Linie auf, was der Lüneburger Spitzenspieler ohne großes Spektakel und sehr umsichtig in einen vollen Punkt verwandelte. Eine starke Leistung, die Anerkennung verdient.
Lüneburg war also mit 3-1 in Führung gegangen und an den verbleibenden Brettern sah es für uns nicht rosig aus. Die weiteren Ereignisse lassen sich angesichts einer dramatischen Zeitnotschlacht kaum noch rekonstruieren, aber unser Team kam mit echtem fighting spirit ins Match zurück.

Stefan Röhrich (l.) hatte sich nach unglücklichem Saisonauftakt besonders viel vorgenommen und arbeitete sich hochkonzentriert in eine komplexe Stellung hinein, die er in einer hektischen Schlussphase gegen den bislang sehr erfolgreichen Hannes Meyner (2 P v.3) gewann.
Zeitgleich ereignete sich am 7. Brett Unerhörtes:

Martin Hart (r.) schien während der Partie gegen den Lüneburger Ulrich Kubicki wohl an einer Doktorarbeit zu feilen akribisch untersuchte er jede Wendung und musste die letzten 15 Züge in einer Minute erledigen, ließ sich aber auch dabei viel Zeit (falls überhaupt noch von Zeit die Rede sein kann!). Für die letzten zehn Züge blieben Locke etwas weniger als dreißig Sekunden, aber unser Mann hatte endlich die fällige Betriebstemperatur erreicht, obwohl der Lüneburger noch einige Giftzüge auspackte. Kubicki, der streckenweise mehr als eine Stunde mehr auf der Uhr hatte, wurde immer mehr in den Zeitnotstrudel hineingezogen und überschritt in Verluststellung selbst die Zeit! Ein paradoxer Effekt, den man beim Schach aber nicht selten erlebt. 3x gespielt, 3x gewonnen eine tolle Bilanz für Martin!
Nach diesem Drama stand es 3-3 und als die Rauchschwaden sich verzogen hatten, war die Entscheidung gefallen, da
.

der schon seit geraumer Zeit auf Gewinn stehenden Franz Ernst bei der technischen Abwicklung nicht die geringste Mühe hatte und zu seinem dritten Sieg in Folge kam (Glückwunsch!)

und Peter Kovermann mit Stefan Becker (l.) nach umkämpfter Lavierpartie die Punkte teilte.
Entscheidend für das Match war zum einen der Umstand, dass die gefährliche Mittelachse des Gastgebers (zuvor 7,5 P v. 9) geknackt wurde (hier holten wir 2 P v. 3), zum anderen aber besonders der Team Spirit, der ungeahnte Kräfte frei setzte. Eine wichtige Erfahrung für die Mannschaft.

Im Moment können wir mit dem Erreichten zufrieden sein, aber die Saison hat nach dem ersten wichtigen Spitzenkampf eigentlich erst begonnen. Unser Restprogramm ist gepfeffert, aber das Minimalziel 3.-5. Platz ist in greifbare Nähe gerückt. Für alles Weitere braucht man das, was wir bei unserem Gastspiel in Lüneburg hatten: Glück.
Epilog: Erfreulich und mehr als eine Fußnote war die gastfreundliche Atmosphäre beim SC Turm Lüneburg, die auch durch einen kleinen Regeldisput nicht getrübt wurde. Hier traten die Lüneburger vorbildlich auf: sachlich und fair. Was weißgott nicht selbstverständlich ist.
Dr. Ortwin Thal
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